Duftgewänder

credits: Sandra Stops

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Dieser Sommer ist ein Sommer, in denen meine Fingerspitzen und Hände viele Gewänder tragen, Gewänder aus Düften. Gewänder aus Himbeersaft zum Beispiel, der meine Fingerspitzen rot und leicht klebrig macht und sie süß duften lässt. Süßes Himbeerblut vom Pflücken der Früchte in mannshohen Feldern. Nicht zu vergessen, die kleinen Schrammen, feinen Dornen der Himbeeren und die Bläschen, verursacht durch die Brennnesseln, die Himbeerdiebe erbarmungslos schlagen, wenn sie ihnen zu nahe kommen.
Dann duften meine Hände nach feinem Salz mit Rosmarin und Basilikum durchwirkt. Beim Vermengen und Durchmischen des Salzes wird die Haut meiner Hände ganz weich von den feinen Salzkristallen. Die Finger nach getaner Arbeit ablecken, beobachtet vom Baby. Sein kleines Gesicht verzieht sich als es an meiner Fingerspitze nuckelt.
Später topfe ich im Gewächshaus Pflanzen um. Erde mit Pferdemist versetzt wird zerkleinert und in Pflanztöpfchen gefüllt. Unter den Nägeln sammelt sich die schwarze Erde und die Feuchtigkeit lässt sie auf der Haut haften. Der dunkle Geruch von frischer feuchter Erde breite sich in meiner Nase aus und ich werde mit jedem befüllten Töpfchen ruhiger. Als mir die Nase juckt und ich mir mit dem Handrücken über das Gesicht reibe, hinterlasse ich nicht nur ein erdverschmiertes Gesicht, sondern nehme deutlich wahr wie erdig meine Finger riechen. Selbst das Frühstücksbrot hat erdige Noten – trotz gewaschener Hände, Erde mit leichter Seifennote.
Noch später geizen meine Hände Tomatenpflanzen aus. Die Fingerspitzen färben sich grün und ein Schnuppern an den Fingerspitzen verrät den Arbeitseinsatz – Tomatenduft! Noch sind keine Früchte zu sehen, aber der Geruch der abgeknipsten kleinen Triebe ruft eine Reihe leckerer Gerichte mit Tomaten vor mein geistiges Auge. Zurück in Berlin muss ich unbedingt wieder Tomatensoße einkochen und mein Tomatenkaramell machen!
Nächste Station bei den Pflanztischen: afrikanisches Zitronenkraut, ein zartes Gewächs mit kleinen Blättern und einen sehr angenehmen Zitronenduft. Zum Duftbild meiner Finger kommt eine weitere Nuance hinzu. Und anders als beim Malen mit verschiedenen Farben, legen sich die Düfte übereinander und vermischen sich nicht zu einer undefinierbaren schmutzig braunen Farbe. Schon ein richtiges Buket!
Letzte Station für heute ist das Häuschen am Wasser, wo Sebastian soeben einen unterarmlangen jungen Hecht aus dem Wasser zieht. Der Leib des Fisches glänzt im Licht und als ich ihn mit beiden Händen fasse, damit der Haken aus seinem Maul entfernt werden kann, tauche ich ein in seine schleimige Welt und ringe mit der überraschend großen Kraft eines kleinen Fisches. Der Fischduft haftet auch zwei Stunden später noch an meinen Fingerspitzen, trotz mehr fachen Händeschrubbens.

Der Sommer, an dem meine Hände Gewänder aus Düften tragen…was sind Eure liebsten (Sommer-)Handdüfte?